Ein Job der zu dir passt. Ein Leben das du liebst: Die Ich-Akademie

You are a choice millionaire – so lautet nicht nur der Titel eines Songs meiner Lieblingsband Poets of the Fall, sondern es trifft auch ziemlich gut auf die Generation Y zu: jung, qualifiziert, planlos.

Anne Janas von der Ich-Akademie

Anne Janas ist Psychotherapeutin, Trainerin und Coach. 2016 hat sie die Ich-Akademie gegründet.

Anne Janas ist Psychotherapeutin, Trainerin und Coach. 2016 hat sie die Ich-Akademie gegründet.

Anne Janas (Jahrgang ‘87) ist psychologische Psychotherapeutin, Trainerin und Coach und hat die Ich-Akademie gegründet, ein Startup das Workshops und Liveseminare für junge Menschen bietet.

Was will ich mit meinem Leben anfangen? Welcher Job macht mich glücklich – und kann und soll er das überhaupt leisten? Gibt es den Beruf als Berufung? Bei der Beantwortung genau dieser Fragen soll die Ich-Akademie helfen. Auf meinem eigenen Selbstfindungstrip stolperte ich just online über das junge Startup und war begeistert von Annes Idee. Als Generation Y‘ler hat man irgendwie öfter das Gefühl, alle anderen wüssten ganz genau, was sie beruflich machen wollen, sind als Banker oder Bürokauffrau zufrieden und nur man selber eiert um die 30 von einer diffusen Jobidee zur nächsten und sieht den eigenen Weg vor lauter Möglichkeiten nicht.

Am 26. Januar fand nun zum dritten Mal der sogenannte Probeabend statt, ein Workshop, um Konzept und Idee der Ich-Akademie kennenzulernen. Für Anne ist es eine Herzenssache, anderen bei der Berufsorientierung zu helfen Die zehn Euro, die sie für den Abend nimmt, decken gerade einmal die Raummiete im STARTPLATZ, sowie die Pizza, die es für alle in der Pause gibt.

Die Veranstaltung ist ausgebucht. Neben Anne und ihrem Praktikanten Tim gibt es an diesem Abend 26 Teilnehmer/Innen.

Gut 80 Prozent sind Frauen, das Durchschnittsalter liegt bei Anfang 30 – und der verhältnismäßig kleine Raum fühlt sich etwas beengend an. Trotzdem ist die Atmosphäre unglaublich herzlich: Wir sitzen in einem lockeren Stuhlkreis, basteln uns Namensschilder aus Krepppapier, füllen Soft Drinks in Plastikbecher – dann lässt uns Anne zur Lockerung und Öffnung des Geistes für den neuen Input erst einmal quer durch den Raum laufen und genau das Gegenteil von dem Ausführen, was sie anweist: Das heißt auf „Rot“ antworten wir laut mit „Grün!“, wenn sie ruft „klatschen“, sollen wir auf den Boden stampfen und anders herum.

Diese Konzentrationsübungen, zusammen mit dem Versuch, mit niemanden zusammen zu stoßen, machen uns geistig wach und bald grinsen wir jedem gegenüber zu und geben uns die Hand.

Stuhlkreis beim Check in

Beim ‚Check in‘ erzählen wir einzeln von unseren Motiven und Erwartungen an diesem Abend

Nach dieser kleinen Runde bittet uns Anne, uns jeweils einen Post It von der Pinnwand zu nehmen, mit einer Eigenschaft, die uns heute besonders anspricht. „Selbstvertrauen“, „Liebe“, „den eigenen Weg finden“ steht auf den bunten Zetteln. Ich zögere nicht lange und pflücke „Joy“ auf einem pinken Post It für mich. Beim anschließenden ‚Check in‘ stellen wir uns der Reihe nach mit Namen, Alter und dem Zettel vor, den wir jeweils gewählt haben – und warum. Ich bin fasziniert: fast in jedem der Anwesenden kann ich mich selbst wiedererkennen, was die Gründe und Erwartungen angeht, mit der er oder sie hergekommen ist.

Welcher Job könnte zu mir passen, was will ich eigentlich im Leben? Ich bin froh, mich getraut zu haben, heute herzukommen. Vor Leuten reden macht mich ziemlich nervös aber ich bin auch super gespannt, was mich heute in den drei Stunden Workshop erwartet. Und diese offene Ehrlichkeit der anderen Teilnehmer schafft Vertrauen.

 

Am Ende des Check in steht die Erkenntnis, dass es in diesem Raum bereits 25 Menschen gibt, denen es ganz genauso geht, wie mir selbst. Wie viele muss es dann erst draußen auf der Straße geben? Anne hat mit der Ich-Akademie wirklich einen Nerv getroffen. In anderen Ländern wie beispielsweise Holland und den USA spricht man viel offener über die dieses Luxusproblem der beruflichen Wahlfreiheit, die sogar psychologische Belastungen wie Depression und Burnout verursachen kann – und coacht junge Menschen gezielt dabei, ihre eigene Bestimmung zu finden.

Anne erklärt uns nach einer kurzen Einführung ins Thema das Konzept der drei P’s:

Purpose – Was ist mir wichtig und erscheint mir sinnvoll.

Pleasure – Was macht mir im Leben Spaß?

Potential – worin bin ich gut?

Die Beantwortung dieser drei Fragen soll helfen, Orientierung zu finden und das eigene Wachstum zu fördern. Das kann natürlich nur jeder für sich selbst beantworten. Der Workshop ist kein Vortrag und kann daher auch kein Einzelcoaching ersetzen. Aber in den folgenden Gruppenarbeiten helfen wir einander, mal genauer hinzusehen und auszuloten, wo es beim Einzelnen hängt, was er zum Glücklichsein bräuchte und was ihn davon verdammt noch mal abhält.

 

Anne erklärt uns die drei P's und gibt einen Einblick in die menschliche Psyche

Anne erklärt uns die drei P’s und gibt einen Einblick in die menschliche Psyche

Eine Übung, die ich persönlich sehr anstrengend, aber durchaus hilfreich fand, war das ‚Verhör‘. Zu dritt setzen wir uns zusammen und während eine Person alles protokolliert, stellt die zweite der dritten immer wieder dieselben vier Fragen: Was willst du am meisten im Leben? Wie kannst du das erreichen? Was hindert dich daran? Was ist der Preis dafür, es nicht einfach zu tun? Man kommt so schnell in einen Kreislauf von Empfindungen vermeintlicher Problemen die einander bedingen und hat zu Anfang das Gefühl, sich immer wieder zu wiederholen. Jedoch werden durch die Wiederholung derselben Frage in jeder Runde auch neue Aspekte aufgedeckt. Diese Fokussierung auf die eigenen Schwierigkeiten ist natürlich nicht unbedingt angenehm, aber an den verständnisvollen Blicken meiner beiden Partnerinnen erkenne ich, dass ich hier nichts Neues erzähle.

Katharina* ist 29 und arbeitet als Team-Assistentin. Es ist ihr x-ter Job, nachdem sie schon viel ausprobiert hat und nirgendwo das Gefühl hatte, es dort länger auszuhalten. Werde doch Tierpfleger, schlage ich ihr in der Pause scherzhaft vor. Oder Tierarzt. Oh, sie mag Tiere, meint Katharina, aber Abi hat sie leider nicht und man wird ja auch immer älter… jetzt noch komplett umswitchen? Ich kann in dem Moment nur ein ratloses ‚hmm‘ von mir geben und zeichne den Punkt ‚Work/Life-Balance‘ auf das Flipchart, welches wir als Gruppe mit allen wichtigen Sachen füllen sollen, die für uns beruflich eine Rolle spielen.

 

Gruppen-Workshop in lockerer Atmosphäre

Gruppen-Workshop in lockerer Atmosphäre

Ein anderer Fall ist Vera*, 32 die ihr Leben bis jetzt streng durchgeplant hatte: In den nächsten Jahren möchte sie Kinder, einen Job in dem sie erfolgreich ist und NICHT für jemanden arbeiten muss, der weniger drauf hat als sie – ihr absolutes No-Go. Das Problem: Für die Kinder bräuchte es erst mal einen geeigneten Partner und eigentlich gefällt ihr der aktuelle Job im Consulting auch nicht so wirklich. Steffi*, die neben mir im Kreis sitzt, sagt Vera freundlich, aber bestimmt, dass sie sich da ganz schön viel selbst aufbürdet und der Rest der Runde nickt zustimmend.

Insgesamt betrachtet, hält man am Ende des Abends natürlich nicht das Geheimrezept für das perfekte Leben in der Hand oder schwebt mit Aha!Effekt unter der Decke, aber der Input hilft ungemein. Nach dem Check in gibt es schließlich auch ein Check out mit Feedback, Konfetti und einem kostenlosen E-Book, das Anne uns die folgenden Tage per E-Mail zuschickt. Letztlich liegt es an einem selbst, für sich den richtigen Weg zu finden. An den Probeabend schließt, wenn man möchte, noch ein kostenpflichtiges eintägiges Bootcamp + Coaching an, bei dem das ‚Schnuppern‘ weiter vertieft wird und Anne näher auf die Situation des Einzelnen eingehen will. Ich bin auf jeden Fall interessiert.

Fazit: Für Solo-Problemlöser sind die Evaluierungsbögen über die eigenen Talente und Wünsche und das Einzelcoaching vermutlich eher geeignet. Wer jedoch gerne im Gespräch mit anderen über den Tellerrand denken möchte und eine absolut warmherzige und inspirierenden Atmosphäre beim Erstkontakt zum Thema sucht, für den empfehle ich den Probeabend und das Bootcamp der Ich-Akademie.

*Namen der Teilnehmer sind geändert auch da ich Gesicht und Namen leider nicht mehr zuordnen kann.

Mehr Infos zum Probeabend und zur Anmeldung gibt’s hierVielen Dank an Anne für den schönen Abend und an Tim für die Fotos.

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