Es heißt nicht Pokémons!!11eins

Och nö, nicht noch ein Pokémon-Eintrag. Dieser muss aber. Ich habe gerade die neueste Ausgabe der Internet World Business – renommierte Online Marketing Fachzeitschrift – aus dem Briefkasten gezogen, lese die Titelseite und jaule innerlich.

„Die ganze Welt jagt Pokémons. Jetzt wollen auch Marketer mitspielen.“ Nein… nein tut sie nicht. Sie jagt Pokémon. Nicht Pokémons und auch keine Pokémonz auf warez oder börse.biz. Was MarketerS sich einbilden, wenn es eine neue Zielgruppe an die monitäre Melkbank zu führen gibt…

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Internet World Business Ausgabe 16/16 1. August 2016

 

In den Marketing Vorlesungen, die ich zurzeit im Rahmen der DDA mache, wird uns immer nahegelegt zu verstehen, wie ‚tickt‘ mein Kunde bzw. meine Zielgruppe. Dafür zählt für mich, die Sprache der Zielgruppe inklusive ‚Fachtermini‘ zumindest soweit zu beherrschen, dass man den Eigennamen eines Produktes oder einer Marke kennt. Und was soll bitte ein ‚Smartphone-Spiel‘ sein? Verstehen die Leser der Internet World Business das Word ‚App‘ nicht?

Wer es wirklich nicht weiß (und kein Maketer ist, der damit Geld verdienen will): Pokémon steht für Pockét Monster. Im Englischen zwar durchaus legitim, aber im Deutschen sagt wohl niemand Monsters.

Gut? Gut. Ich bin da pingelig. Und inzwischen Level 23 und tatsächlich einer der Fans aus nostalgischen Gründen, wie sie vom Experten so nett erklärt werden. Zurzeit schreibe ich neben Job und Diplomarbeit noch einen Anfängerguide zu Pokémon Go, der bisher über 2000 Wörter umfasst. Ich biete damit den Spielern einen Mehrwert – und denke mal, dann ist die Anzeige mit Pokémon-Produkten daneben auch cool. Ich mache das weil ich da Bock drauf haben UND weil es Kohle bringt.

Aber zu versuchen, ein Fachjargon zu sprechen, nur um den Kunden zu erreichen, ohne sich wirklich mit dem Thema beschäftigt zu haben, ist respektlos gegenüber der Zielgruppe.

Ich schlage den Artikel auf Seite 8 auf und er beginnt… wie eine Reportage. Die Autorin erzählt wie sie die Straße entlang läuft, ihr ein Nidoran (männlich oder weiblich? Wie, Pokémons haben ein Geschlecht?! Seit wann das denn?) entwischt und sie fast mit einem anderen Sammler zusammen stößt, der wohl auch Pokémons sammelt. (Wenn ich noch oft Pokémons schreibe, gewöhne ich mich noch daran…)

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Internet World Business Ausgabe 16 1. August 2016, Seite 8

Der Artikel brandet in einer allgemeinen Infoartikel, worum es bei Pokémon Go eigentlich geht und wie bereits einzelne Unternehmen auf den Marketing-Wagon aufgesprungen sind – und das ist okay. Ich hoffe nur die Dame ist kein Copy Texter für die nächste Pokémon Marketingstrategie.

Reportagen zu Pokémon GO sind übrigens super, wenn authentisch… #ReportageKannIch

Ich hangel mich weiter auf der Webseite lang und finde unter Expert Insights einen Artikel zu Pokemon Go mit der Headline

Pokémon Go: Wie man die Plattform monetarisiert, ohne Nutzer abzuschrecken

Also ich als Nutzer wäre jedenfalls von PokémonS bereits abgeschreckt, egal was ihr mir anbietet.

Der Mann mag zwar Marketing-Experte sein, mit der Materie hat er trotzdem nicht seine Zeit verschwendet. Der Artikel beginnt mit:
“ ‚Ich habe auf dem Kurfürstendamm ein wildes Taubsi gefangen!‘ hat man früher nicht gerade oft gehört. Aber seit Pokémon Go die Welt erobert, fallen solche Sätze häufiger.“

„Ich habe auf dem Kurfürstendamm ein wildes Taubsi gefangen!“ – said no one ever.

Erstens ist es für die Zielgruppe der 13-30 Jährigen schlicht der Ku’damm und zweitens wäre niemand stolz auf ein gottverdammtes Taubsi, das wohl gewöhnlichste Pokémon, was einem sogar zu hause auf der Toilette begegnen kann!

Schlusswort: Es ist okay, wenn man keine Ahnung hat. Ich weiß auch so gut wie nix nicht alles, aber wenn ich mich zu einem Thema Experte schimpfe und damit Geld verdienen will, muss einfach mehr drin sein….

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